Griechische Impressionen

Meine tiefe Verbundenheit mit Griechenland währt seit nunmehr bald dreißig Jahren.
Nach dem Abitur stand eigentlich eine Reise nach Neuseeland auf dem Wunschzettel; möglichst weit weg sollte es gehen. Doch die Gelder reichten dafür dann doch nicht und so wurde eine „Notlösung“ geboren.
Zusammen mit einer Freundin machte ich mich auf, nach Griechenland, das so anders war als unsere vertraute mitteleuropäische Wohlstandsgesellschaft, dass wir uns zumindest ein Stück weit so fühlten, als seien wir am anderen Ende der Welt angelangt.

Edessa Kleine FamilienpensionWir erlebten die Gastfreundschaft einer Großfamilie, die uns Unterschlupf gewährte, als wir naiv davon ausgegangen waren, Mitte Oktober einen offenen Campingplatz in einer untouristischen Gegend auf der Peloponnes zu finden.
Damit tauchten wir in eine uns gänzlich unbekannte Welt ein. Wir gingen mit zum Fischen im Fluss oder zum Vogel-Schießen aufs Feld. Das Brot wurde im Lehmofen gebacken, der im Garten stand, umgeben von Orangen-, Zitronen- und Mandarinenbäumen. Bei Kälte saßen wir um ein Blech, auf dem glühende Kohlen Wärme spendeten. Das Essen wurde in großen Schüsseln auf den Tisch gestellt, aus denen wir gemeinsam löffelten.
Die dort erfahrene Herzlichkeit hinterließ einen nachhaltigen Eindruck bei mir.
Wieder zurück in Deutschland, begann ich, die ersten, eingesammelten Sprachbrocken zu sortieren und Griechisch systematisch zu erlernen. Die Sprache klingt für meine Ohren wie Musik; und auch diese liebe ich seit meinem ersten Griechenlandaufenthalt. Sprachpoesie, Musik und Tanz sind wichtige Pfeiler der griechischen Kultur. Faszinierend, wenn alle, von jung bis alt, die Texte vieler Lieder auswendig mitsingen. www.greeklyrics.de

Seit meinem ersten Aufenthalt in Griechenland 1982 ist auch dort die Zeit nicht stehen geblieben. Vieles hat sich verändert, nicht alles zum Besten; eben wie überall. Wie Sie dies wahrnehmen, bestimmen Sie weitgehend selbst.NichtsTun in heissen Quellen
D
ie „Avrio-Mentalität“ existiert noch immer; einerseits irritierend (und manchmal auch störend), andererseits wohltuend: das Verschieben von Dingen auf morgen – „avrio“. Dieses „morgen“ lässt sich zeitlich nicht festlegen. Nur keine Eile, so lautet die oberste Devise. Möglicherweise ist dies für die Tatsache, dass Griechen weniger herzkrank sind, mindestens so ausschlaggebend wie die vielgelobte, gesunde, mediterrane Olivenöl- und Knoblauch-Küche.
Sicherlich, dies ist auch der Grund dafür, dass einige Dinge im Land schlecht oder gar nicht funktionieren und einen auch zum Verzweifeln bringen können; doch uns, die wir im Urlaub gerne eine Auszeit vom oft allzu streng geregelten Alltag suchen, kommt dies entgegen. Das Abschalten fällt leichter. Das Umschalten in eine gemächlichere Gangart hilft Ihnen dabei, Griechenland in vollen Zügen zu genießen. Hier können Sie bestens üben, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Gut bedient ist, wer sich auf das langsamere Leben einlassen, dem Nicht-Funktionierenden etwas Positives abgewinnen kann.
Mal schauen, was geschieht, keine Pläne machen oder diese schnell wieder über Bord werfen, wenn alles anders kommt. Das ist Urlaub in Griechenland.

Im Schnitt zieht es mich jedes zweite Jahr in diese südöstliche Ecke Europas; einerseits wegen der dort inzwischen gewachsenen Freundschaften, andererseits locken mich Bergwelt, Natur, Kunst und die Möglichkeit, sich nach einer Wanderung noch eine wohltuende Abkühlung zu gönnen, im fast überall glasklaren Wasser, an oft leeren, unverbauten, wunderschönen Kies-, manchmal auch Sandstränden.
Was gibt es Schöneres, als im Frühjahr auf ehemaligen Eselspfaden zu wandeln, begleitet vom unablässigen  Brummen und Summen tausender Bienen und Hummeln, vom munteren Tirilieren der vielen Singvögel; Kap Souniondie Luft geschwängert, würzig vom Duft der Wildkräuter oder süß von den Blüten des gelbleuchtenden Ginsters, der gerne die Wegeränder säumt. Die Wiesen bilden ein Blumenmeer, durchsetzt von Mohnvariationen in gelb über zart rosa bis tief dunkelrot, fast schwarz. Im zeitigen Frühjahr blüht eine Vielzahl von Orchideen. Der Herbst schenkt den Wandernden dann Feigen, Trauben oder Walnüsse als Wegzehrung.
Mitten in der Natur stehen einsam byzantinische Kirchlein. Von außen wirken sie oft unscheinbar, mal sind sie auch halb verfallen. Es lohnt sich, einen Blick hineinzuwerfen - sofern eine offene Tür zu finden ist -, um staunend vor manchmal verblüffend farbenintensiven,  jahrhundertealten Fresken zu stehen.
Oder aber Sie stolpern unverhofft über die Reste einer antiken Stätte; vor langer Zeit ausgegraben, dann wieder dem Vergessen preisgegeben.
Griechenland birgt viele kleine überraschende Schätze, abseits touristisch so wohlbekannter Orte wie den antiken Ausgrabungsstätten Delphi, Olympia, Mykene und Epidauros oder den mittelalterlichen Städten Mistra und Monemvassia. Diese lohnen einen Besuch natürlich auf jeden Fall.

Kafenion StillebenGriechenland und Wandern gehört für die meisten von uns bisher nicht zusammen. Doch erfreulicherweise gibt es inzwischen von einigen Gegenden gute Karten und auch immer mehr Wegmarkierungen, so dass die Orientierung  leichter fällt als noch vor einigen Jahren, wo man ohne unabdingbare Abenteuerlust und Pfadfindergeist lieber die Finger davon ließ und sich statt dessen in einen spannenden Roman vertiefte; am Strand, unter einer schattenspendenden Tamariske; oder aber den Tag auf einer „Platia“  verdösend, das Leben um sich herum beobachtend, sich zwischendurch immer mal wieder einen Mokka oder eiskalten Frappé gönnend.
Die „Platias“ (Plätze) sind in jedem noch so kleinen Dorf Schauplatz des Alltags. Die Männer sitzen vor den Kafenions, lassen sinnend ihre Kombolois (dem Rosenkranz ähnliche Kettchen) durch die Finger gleiten oder tragen die ein oder andere Runde Tavli (Backgammon) mit dem Nachbarn aus, ab und an sprechen sie ein paar Worte, gelegentlich entspinnt sich eine hitzige Debatte. Die Kinder springen auf dem Platz herum und spielen. Die Frauen eilen geschäftig vorbei, einen Blick auf ihre Männer und Kinder werfend. Am Wochenende dann sitzen Familien und Freunde vereint in den Tavernen am Platz oder – wenn nicht zu weit weg  – auch am Meer.
Solch herrlich meditative Tage auf der Platia oder am Strand, an denen nach einem leckeren Mittagsmahl und einem Glas Wein das Bett zu einem Nickerchen lockt, sind ein Vergnügen. Besonders glücklich können Sie sich schätzen, wenn Sie auf der Speisekarte des Lokals nicht nur gegrillten Fisch oder Fleisch, Souvlaki, Bifteki, Tsatsiki und Bauernsalat finden; wenn Sie eine Taverne  entdecken, in der noch traditionell gekochte Speisen in den Töpfen schmoren und Sie vom Kellner in die Küche gebeten werden, um unter die Topfdeckel zu spicken; unter Zuhilfenahme von Nase und Augen können Sie sich dann für das ein oder andere Gericht entscheiden. http://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Küche
Bei meinen eigenen Griechenlandreisen stellt sich mir immer wieder die Frage: kehre ich an schon bereiste, liebgewonnene Orte zurück oder treibt mich die Neugier weiter zu neuen Zielen? Meist gewinnt die zweite Variante und so kommt es, dass ich schon viele Ecken dieses so wundervollen Landes kennengelernt habe und in der Zukunft noch unendlich viele weitere auf mich warten.
Auf Sie auch? Kontaktieren Sie mich für Ihre eigenen Ideen; ich bin Ihnen gerne dabei behilflich, diese Wirklichkeit werden zu lassen.