Eine kleine Azorenreise im November 2008

"Wo liegen eigentlich die Azoren?"; eine oft gestellte Frage an uns, als wir von unseren Reiseplänen erzählten.
Meist bekannt ist das Azorenhoch; es klingt positiv und schickt manchmal seine milde Luft bis in unsere Breiten. Unsere Neugier war groß, den zu Portugal zählenden Inselarchipel mitten im Atlantik nun selbst kennen zu lernen.
Fünf Flugstunden trennen Deutschland von Ponta Delgada, der Hauptstadt Sao Miguels, auf der größten der neun bewohnten Inseln. Würde man mit einem Schiff von Lissabon nach Washington über den Atlantik schippern, erreichte man die ersten Azoreninseln nach etwa einem Viertel der 5700 Kilometer.
Wir hatten großes Wetterglück und erwischten um den 11.November den dort so genannten "St.Martin-Sommer" (vielleicht dank meines Mannes namens Martin!?).
Unsere Regenjacken hatten also auch Urlaub; erst bei der Rückkunft in Deutschland wurden sie wieder nötig. Weit und breit nichts zu merken von einem Monat, in dem durchschnittlich der zweithäufigste Niederschlag des Jahres gemessen wird.
Was für ein lohnendes Reiseziel für all jene, die sich gerne von der Natur "unterhalten" lassen und für die Stille Seelen-Balsam bedeutet. Gelegentlich wird sie unterbrochen, vom Getrappel von Pferdehufe, von Hundegebell, vom Zirpen der Grillen, dem Tirillieren der artenreichen Vogelschar oder dem Tosen des Windes.
Am Himmel ist fast am meisten los; fantastische Wolkengebilde eilen vorüber, nehmen pausenlos neue Formen an, erzählen Geschichten.
 

                  

Ähnlich abwechslungsreich gestalten sich die Ausblicke auf den zahlreich möglichen Wanderungen oder auch bei einer Autotour über die Insel. Die Straßen schlängeln sich die Berge und Täler entlang; es geht gemächlich zu; das Verkehrsaufkommen in vielen Gegenden ist minimal; so lässt sich dies alles auch als Wagenlenkerin genießen.
Es lohnt sich, immer wieder bei einem der zahlreichen "Miradouros" auszusteigen, um sich die frische Atlantikluft um die Nase wehen zu lassen, jedoch vor allem, um atemberaubende Weitblicke zu bestaunen, hinweg über kleine und größere Vulkankrater und Kraterseen; alles in üppiges Grün getaucht.
Ist noch ein wenig Zeit, so lässt sich ein solcher Stopp mit einem Picknick verbinden, an einem der vielen wunderschön angelegten Plätze. An Sonntagen werden diese gern von den InselbewohnerInnen genutzt. Die meisten Restaurants haben dann geschlossen.

Sao Miguel misst etwa 65 Kilometer von Ost nach West und 8 bis 15 Kilometer von Nord nach Süd; und doch empfiehlt es sich nicht, die Insel mit dem Auto an einem Tag umrunden zu wollen. Dann hieße es fahren und nochmals fahren ... um Kurven, Kurven und nochmals Kurven.
Die einst typischen Lorbeer- und Wacholderwälder sind kaum noch zu finden; stattdessen überall malerische Hortensienhecken, japanische  Sicheltannen (zur Holzgewinnung) und die hübsch anzuschauende Ingwerlilie, ursprünglich aus dem Himalaya-Gebiet, die leider allmählich die ursprüngliche Pflanzenwelt verdrängt (weitere Infos auf
http://www.azorenflora.de/); dazwischen Wiesen, auf denen Kühe über Kühe weiden; ein wichtiger Wirtschaftszweig für die Bevölkerung, die seit einigen Jahren wieder zunimmt; etwa die Hälfte ist im Bereich der Landwirtschaft beschäftigt. Überall sind kleine Einspänner unterwegs, auf denen die vollen Milchkannen von den Weiden an die Hauptstraßen transportiert werden, zur Abholung für die Großmolkerei.

                   

Etwas Besonderes sind die beiden einzigen in Europa ansässigen Teeplantagen; die Orangenbarone des 19.Jahrhunderts hatten Pech; ein Schädling vernichtete ihre Plantagen; fortan begann man mit dem Anbau von Tee; in den besten Zeiten existierten über 50 Teefabriken. "Chá Gorreana" ist die einzige, die die Zeiten überdauert hat. Eine Besichtigung dieser Fabrik lohnt vor allem für jene, die ein Faible für alte Maschinen haben, mit denen der Tee dort noch verarbeitet wird.
Die zweite Teefabrik, "Chá Porto Formosa" wurde in jüngerer Zeit neu gegründet; dort wird ein informativer Film über die Teeherstellung gezeigt.
Der Tee überrascht mit einem feinen Aroma, allerdings erst in Deutschland, dank gefilterten Wassers.

Den azorianischen Wein (vor allem von der Insel Pico) lässt man sich am besten gleich vor Ort schmecken wie auch die kleinen, aromatischen Bananen oder solche Exotenfrüchte wie die aus Südamerika stammende zuckersüß-cremige Cherimoya oder die würzigen Tamarillos (Baumtomaten).
Für den Export bestimmt sind vor allem Ananas, Käse, Rindfleisch und Fisch.

Zwei extra Zückerlein sollen zum Schluss noch Erwähnung finden:
Wal- und Delphinbeobachtungen sind ganzjährig möglich und die Chancen, wirklich Tiere zu sehen, sind groß, da sie durch erfahrene, ehemalige Walfänger von gut plazierten Beobachtungsposten aus bestens erspäht werden können.

                   

Zahlreiche Bademöglichkeiten in angelegten Meerwasserbecken, die zusätzlich von heissen Quellen gespeist werden, lindern möglicherweise vorhandene Zipperlein oder bereiten einfach Wohlgenuss. Ins Meer kann man nur bei Ebbe steigen, im ockerfarbenen, eisenhaltigen, 38 Grad warmen See ist jederzeit ein Bad möglich. Er liegt in Furnas, einem Kurort im Osten der Insel, im Parque Terra Nostra, inmitten eines bereits 1780 gegründeten botanischen Gartens.
Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen ... gerne spreche ich mit Ihnen persönlich darüber ... und dann überzeugen Sie sich am besten selbst vor Ort!